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Objekt des Monats - Dezember 2018

 

Teufelsmaske

 

 

2018_12_Teufelsmaske

 

 

 

 

Objektdaten
Inv.-Nr.: 00919
Entstehungszeitraum: 19. Jahrhundert
Maße: 39 x 18 cm
Material: Holz, Horn, Leder


 

Reichenhall als Transitstation des Saumhandels empfing viele kulturelle Einflüsse. Säumer und Wanderarbeiter brachten neben Waren auch Kenntnisse, etwa über die Masken der Südtiroler Nikolausspiele, über die Grenze.

 

Der Teufel als Begleiter des heiligen Nikolaus aus den mittelalterlichen Nikolausspielen gilt als Vorläufer der heutigen Schiachperchten und Krampusse. Zwischen dem 16. und dem 19. Jhd. war das Auftreten der Teufel an den heiligen Nikolaus gebunden. Die Teufel drohten die Strafe an und dienten als Exempel für die ewige Verdammnis. Die Masken überschritten zu dieser Zeit kaum die natürliche Körpergröße, die Kostüme waren aus Stoff, Fell, Papier und Pappmasche. Diese schwarz bemalte Maske aus Holz ist ein Beispiel dafür, dass die Gestalt des Teufels im 19. Jahrhundert noch im Vordergrund stand, während die Masken im Laufe des 20. Jahrhunderts größer wurden und die teuflischen Züge immer mehr ins Monsterhafte übergingen.

 

Im Alpenraum verbreiteten sich winterliche Maskenbräuche zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert. Maskenläufe haben ihren Ursprung in religiösen Spielszenen, die im Laufe der Zeit in Volksschauspiele und Umzüge übergegangen sind. Im 18. Jahrhundert erlebten diese Umzüge einen Höhepunkt. Zur Zeit der Aufklärung sah man in den Maskenläufen eine Untergrabung von Sitte und Ordnung und erließ strenge Verbote, wodurch viele dieser Bräuche untergegangen sind. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hat die bürgerliche „Altertumssehnsucht" des Historismus und die aufkommende Alpen- und Sommerfrischenbegeisterung der gebildeten Städter zu einer Neuentdeckung der Maskenläufe geführt. Die frühen Anfänge der Volkskunde im 19. Jahrhundert waren von einer romantischen Wurzel- und Mythensuche der Nationalbewegungen bestimmt. Viele Bräuche, so auch die Maskenbräuche, wurden lange Zeit als Relikte heidnischer Bräuche gedeutet. Diese Meinungen des 19. Jahrhunderts, die in der Ideologie des Nationalsozialismus ihren Höhepunkt fanden, sind heute längst überholt, da es für ein derartiges Alter der Bräuche keine Belege gibt.