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Stadtgärtner besprechen notwendige Baumarbeiten mit dem Umweltreferenten des Stadtrates

 

In einem mittlerweile regelmäßigen Turnus wird von der Stadtgärtnerei zusammen mit dem Umweltreferenten des Stadtrats eine Baumschau vorgenommen, die Rückschlüsse auf die Vitalität sowie auf die Bruch- und Standsicherheit der Bäume im Reichenhaller Stadtgebiet zulässt. So begaben sich Stadtgartenmeister Martin Haberlander und sein Stellvertreter Marcus Reinhold auch in diesem Jahr wieder zusammen mit dem Reichenhaller Umweltreferenten Dr. Wolf Guglhör auf eine Rundfahrt durch die Stadt, um die angefallenen und künftig anstehenden Maßnahmen in Sachen Baumschutz bzw. Baumfällung zu besprechen.

 

 

Start der Tour war der Friedhof St. Zeno. Dort, in einem Grünstreifen zwischen altem und neuem Friedhof, verweist Haberlander auf eine bereits gepflanzte Baumreihe von 5 Japanischen Kirschen, die im Frühjahr um weitere 7 Bäume vervollständigt wird, eine bewusst bunt blühend gewählte Baumart, wie er betont, um den naturgemäß tristen Ort mit Farben etwas aufzuhellen.

 

 

Weiter ging es zum Eingang des Friedhofs direkt gegenüber des Sonder-pädagogischen Förderzentrums St. Zeno. Hier steht eine Trauerweide, deren Wurzeleinwuchs in den Kanal massive Probleme bereitet. Nach Ausführungen von Hubert Dießbacher vom Bauamt habe hier bereits eine Kamerabefahrung stattgefunden, die den Einwuchs und Schäden am Kanal bestätigte. Zudem habe der Baum Kontakt zur Friedhofsmauer und dort bereits einen Schaden verursacht, eine offensichtliche Baumüberwallung ist festzustellen. Der Baum selbst sei schadhaft, die Weide, ein schlechtabschottendes Gehölz, kann die bereits bestehende Fäulnis im Wurzelstock nicht kompensieren. Da dadurch die Standsicherheit gefährdet sei, sahen die städtischen Fachleute eine Baumfällung als notwendige Lösung an, zumal auch Kanalsanierungsarbeiten in diesem Bereich anstehen.

 

 

Umweltreferent Dr. Guglhör stellte positiv fest, dass nicht nur auf privaten Grundstücken gemäß Baumschutzverordnung der Stadt Bad Reichenhall sorgfältig und kritisch geprüft werde, was zu veranlassen notwendig ist, sondern auch auf stadteigenen Grundstücken. Trotz der ortsbildprägenden Wirkung der Weide habe diese keine Resistenz gegen die Fäulnis. Zu berücksichtigen sei auch das erhöhte Verkehrsaufkommen nahe einer Schule im Gegensatz zu einem Standort auf der grünen Wiese. So sah auch der Umweltreferent eine Fällung als unvermeidbar an, zumal die biologische Lebenszeit des Baumes ohnehin überschaubar wäre, und begrüßte den Vorschlag der Stadtgärtnerei, zwei große Bäume einer sinnvoll und zukunftsorientiert gewählten Baumart als Ausgleich zu pflanzen.

 

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Die Weide am Friedhof St. Zeno verursacht Probleme aufgrund ihres Wurzeleinwuchses in den Kanal.

 


Auch der Nadelbaum neben der Aussegnungshalle zeigt eine deutliche Gelbfärbung und eine Kronenverlichtung, die Bodenverdichtung und die kalkhaltigen Kiesel beeinflussen nach Ansicht der Fach-männer dessen pH-Wert negativ. Um eine Fällung werde man nach Ansicht der Verantwortlichen mittelfristig wohl auch hier nicht herumkommen, dennoch wurde beschlossen, diese zurückzustellen und den Baum weiterhin zu beobachten.

 

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Die Nadeln des Baumes neben der Aussegnungshalle zeigen eine deutliche Gelbfärbung.

 

 

Die nächste „Baustelle" befindet sich direkt auf der Grünfläche vor dem Haupteingang des Münsters St. Zeno an der Salzburger Straße. Über die Jahre hinweg hat sich der stattliche Christbaum leicht nach rechts zum Gebäude geneigt und müsste bei Bedenken gegen die Standsicherheit entfernt werden. Geplant ist allerdings ein sanfter Übergang: Wie Haberlander erläuterte, ist die Pflanzung einer 7-8 Meter hohen Ersatztanne in unmittelbarer Nähe geplant. Grundsätzlich waren sich alle Beteiligten einig, dass die besonders ortsbildprägende Wirkung des Christbaums unbedingt erhalten werden solle. Dr. Guglhör bezeichnete somit die im Frühjahr 2017 geplante Pflanzung einer Nordmanntanne als „gute Lösung".

 

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Der ortsbildprägende Christbaum vor dem Münster St. Zeno neigt sich leicht nach rechts.

 


Eine weitere Baumbeschau stand im nahe gelegenen Karlspark an. Hier befindet sich mit der Kaukasischen Flügelnuss eine ganz besondere und seltene Baumart. Der Baum erreicht eine Wuchshöhe bis zu 25 Meter und wächst häufig mehrstämmig - so auch die drei Baumgruppen im Karlspark. Zwei dieser Raritäten wurden bereits intensiv saniert, hierzu wurden dynamische Kronensicherungen eingebaut und ca. 150 Laufmeter pro Baum auf 2 Etagen verbaut. Damit sei die Bruch- und Standsicherheit des Baumes mittelfristig wieder gegeben, wie die Stadtgärtner ausführten. Nun stehe die dritte im Karlspark befindliche Baumgruppe der Kaukasischen Flügelnuss zur Sanierung an. Umweltreferent Dr. Guglhör hob die Bedeutung dieses Baumexemplars hervor: „In Südostbayern dürfte es das einzige Exemplar dieser Größe sein", wie er mutmaßt, „dafür ist diese Maßnahme gerechtfertigt, die auch das natürliche Erscheinungsbild nicht weiter stört."

 

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Eine echte Rarität: die Kaukasische Flügelnuss im Karlspark.

 


Im Anschluss zog eine ganz in der Nähe gelegene Rotbuche die Aufmerksamkeit auf sich. Sie ist vom Brandkrustenpilz befallen und steht daher insbesondere in Bezug auf die Standsicherheit unter besonderer Beobachtung. Der Brandkrustenpilz zählt zu den rasch fortschreitenden Pilzen an Bäumen, die die Stand- und Bruchsicherheit erheblich herabsetzen können.
„Das Kronensegel der Buche wurde bereits um 4 Meter reduziert, außerdem wird mithilfe eines Resistographen eine Bohrung durchgeführt, um den Widerstand des Holzes zu messen", führte Marcus Reinhold aus. Die Buche werde nun weiter beobachtet, das Ziel sei die Erhaltung. Dr. Guglhör bezeichnete es als begrüßenswert, dass der Versuch unternommen würde, den Baum zu erhalten. Die Bemühungen um die Buche werden aber nur mittelfristig fruchten, die Verantwortlichen werden auch hier mit der Möglichkeit einer Ersatzpflanzung für die Zukunft vorbeugen. Langfristig wird die Rotbuche, zumindest in ihrer Höhe, nicht zu erhalten sein.

 

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Umweltreferent Dr. Wolf Guglhör begutachtet die Buche im Karlspark.

 


Unweit der Buche befindet sich das Biotop am Karlspark. Hier wurden Eschen mit Eschentriebsterben entfernt und somit das Unterholz geschützt, damit der Jungwuchs nachkommen kann. Durch die Entnahme wurde auch Licht geschaffen. Der Umweltreferent regte an, dass dieser Ort, den er als sehr gelungen bezeichnete, im Rahmen einer möglichen Landesgartenschau unbedingt noch weiter verbessert und aufgewertet werden solle.

 

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Ein "gelungener Ort": das Biotop am Karlspark.

 


Unmittelbar gegenüber dem Biotop stechen eine Reihe Ulmen ins Auge, die laut Haberlander an das große Ulmensterben erinnern sollen und im Aufwuchs gefördert werden. In den letzten Jahren wurde das Baumumfeld der Ulmen durch Freistellungen und Bodenverbesserung optimiert, damit diese sich besser entwickeln können.

 

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Zahlreiche Neupflanzungen setzen ein Zeichen gegen das Ulmensterben.

 


Weiter geht es zur Rotbuche in der kleinen Fußgängerzone an der Sparkasse. Der Stadtgartenmeister erläuterte, dass dieser Baum einen größeren Erhaltungsaufwand erfordere, der jedes Jahr vorgenommen werde. Die Buche wurde bereits zum wiederholten Male saniert, verfüge aber jährlich über viel Totholz, außerdem fortschreitenden Sonnenbrand, was nicht zuletzt dem äußerst schlechten Standort zwischen den Gebäuden geschuldet sei, von denen eine Bestrahlung verstärkt wird. Obwohl der Baum mittelfristig wohl nicht zu halten sein werde, wolle man eine Fällung vermeiden.

„Ihre Bemühungen kann ich nur anerkennen", betonte der Umweltreferent, „es ist zu sehen, dass bereits durch Pflanzung neuer Bäume Vorsorge getroffen wurde, insofern würde im Falle einer erforderlichen Fällung keine Lücke entstehen."

 

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Die Rotbuche an der Sparkasse wurde bereits zum wiederholten Male saniert.

 


Um das Thema „Bestandspflege" zu veranschaulichen, fuhren die Beteiligten der Baumschau in Richtung Landratsamt zum sogenannten Ulmenhain, der teils im Zuständigkeitsbereich der Stadt liegt, teils in der Verantwortung des Landratsamtes. Es handelt sich hierbei um einen Wall, der aufgrund seiner künstlichen Aufschüttung für die Bäume keinen guten Untergrund darstellt. Nachdem im letzten Jahr bereits ein Baum auf die Straße gestürzt ist, wurde der Bereich genauer kontrolliert, ein Handlungsbedarf zur Erhöhung der Verkehrssicherheit erstellt und abgearbeitet. Durch Einzelbaumentnahmen wurden hier teilweise Bäume entfernt, die verbleibenden fachlich gepflegt. Der Strauchbewuchs wurde dabei bewusst geschont, um Nistplätze für die Vögel sicherzustellen.

Zwei Mitarbeiter der Stadtgärtnerei sind aktuell damit beschäftigt, die Nistkästen zu räumen und zu säubern, „sonst gehen die Vögel dort nicht mehr rein", erklären sie. Mit diesem „Frühjahrsputz", wie sie die Maßnahme bezeichnen, werden die beiden Mitarbeiter eine Woche lang beschäftigt sein.

Ihre Kollegen kümmern sich zwischenzeitlich um die Baumpflegearbeiten am Ulmenhain. Größere Eschen mit Eschentriebsterben werden entfernt, auch da sie sich im Fällbereich von Häusern und der Umgehungsstraße befinden. Ein großes Ärgernis ist dabei die zunehmende Missachtung des Halteverbots. „Die Leute nehmen auf die aufgestellten Verbotsschilder immer weniger Rücksicht und behindern damit erheblich unsere Arbeit, was nicht zuletzt Zeit und Geld kostet", bedauern die Stadtgärtner und mahnen gleichzeitig zur Umsicht.

 

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Bestandspflege am Ulmenhain.

 

Der nächste Schauplatz der Besichtigungstour befindet sich an der Umgehungsstraße. Der Abschnitt linkerhand stadteinwärts entlang der Loferer Straße zwischen den Einmündungen Johann-Häusl-Straße und Vogelthennstraße liegt seit einigen Jahren im Zuständigkeitsbereich der Stadt. In diesem Gebiet, in dem zumeist Eschen, Bergahorn, Linden und Hainbuchen wachsen, wurde die Stadtgärtnerei in der vergangenen Woche unter unbedingter Erhaltung des Grüngürtels sowie unter Vermeidung einer Unterbrechung des Sicht- und Lärmschutzes wieder tätig.

„Insbesondere die Eschen werden bei der Bestandskontrolle unter die Lupe genommen, denn leider sind auch hier Anzeichen für das Eschentriebsterben zu erkennen", bedauert Haberlander. Schließlich würden dann diejenigen Baumarten, mit denen man die besten Erfahrungen gemacht habe, besonders gefördert. „Auch Wildkirschen werden gerne verwendet, um dem Bienensterben beizukommen." Ziel sei es laut Haberlander, die Zeitabstände der Pflegemaßnahmen zu verringern, um gerade bei dem hohen Verkehrsaufkommen an der Umgehungsstraße und auf dem angrenzenden Radweg die Verkehrssicherheit zu gewährleisten und die Zukunft der Bäume zu sichern.

„Ursprünglich ist dieser Wald kein Erholungswald, sondern ein Relikt des ursprünglichen Auwaldes", erklärt der Umweltreferent. Er betont, dass diese Baumfällungen nicht den Zweck haben, den Wald zu zerstören, sondern im Gegenteil einzelne Fällungen den Sinn erfüllen, den gesamten Bestand zu erhalten.

 

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Baumpflege- und-fällmaßnahmen an der Umgehungsstraße.

 

Baumfällmaßnahmen unter Berücksichtigung des Vogelschutzes

 

 

Auf die Häufigkeit der Baumfällungen besonders in den letzten Wochen angesprochen erklärte Haberlander: „Der Stadt ist sehr daran gelegen, unter Berücksichtigung des Vogelschutzes die Baumfällmaßnahmen bis zum 1. März abgeschlossen zu haben, daher sind unsere Mitarbeiter derzeit verstärkt im Einsatz. Und auch andere Ämter versuchen dieser Verantwortung gerecht zu werden. Ausnahmen sind Einzelfälle, die die öffentliche Sicherheit betreffen."

 

 

Nachdem mit dem Umweltreferenten Dr. Guglhör noch einige weitere Maßnahmen im Stadtgebiet besichtigt wurden, verkündete Stadtgartenmeister Haberlander am Ende der Tour noch einige positive Neuigkeiten: „Im Rahmen der ‚Pflanzaktion 100' werden in diesem Jahr 100 Stück Hochstamm-Bäume im Stadtgebiet gepflanzt. Die Pflanzung ist witterungsbedingt ab dem Frühjahr geplant. Über den Abschluss der Pflanzaktion wird noch gesondert informiert werden."

 

 

Da die Rotfichte von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung zum Baum des Jahres 2017 auserkoren wurde, wurden zudem auch 15 Rotfichten angeschafft, die im Stadtgebiet ihren Platz finden werden. „Geplant ist zum Tag des Baumes im März/April dieses Jahres eine Aktion mit Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Schülern, Näheres hierzu wird noch bekannt gegeben", verrät Haberlander.

 

 

 

Fällung der Trauerweide am Friedhof bestätigt Einschätzung

 

Die Trauerweide am Friedhof St. Zeno wurde inzwischen gemäß der Absprache der städtischen Fachleute gefällt. Die Schadhaftigkeit des Baumes kam dabei deutlich zum Vorschein.

 

 

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Die bereits bestehende Fäulnis im Wurzelstock der Trauerweide wurde bei der Fällung deutlich ersichtlich.

 

 

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